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Jeder Lauf, jeder Höhenmeter, jede Herzfrequenz: Wer mit GPS-Uhr, Smartwatch oder Fitness-App trainiert, produziert eine gewaltige Menge an persönlichen Daten. Wir erklären, wem diese Daten gehören und wie man sie bei einem Anbieterwechsel mitnehmen kann. 

Wenn es einen Trend bei GPS-Uhren, Smartwatches und Fitness-Apps gibt, dann ist es die immer umfangreichere Datensammlung. Dafür gibt es mehrere Gründe: War es früher ein grosses Ding, überhaupt GPS zu haben und so seine Läufe nachverfolgen zu können, muss es heute schon Multiband-GPS sein. Ebenso selbstverständlich ist mittlerweile die Erfassung von Gesundheitsdaten rund um die Uhr, sogar im Schlaf.  

Neue Sensoren helfen, immer mehr Werte zu messen und schnellere Prozessoren sorgen dafür, dass diese Daten auch live verarbeitet werden können und sich immer mehr Prognosen errechnen lassen. Unter dem Strich kann man sagen, dass heutige Sportlerinnen und Sportler mit jedem Training viel mehr Daten erzeugen als noch vor ein paar Jahren. 

75 unterschiedliche Datenwerte 

Ein Beispiel: Polar listet auf seiner Webseite 75 sensible personenbezogene Datenwerte auf, die von ihren Produkten direkt erfasst oder berechnet werden können. Die Daten bleiben dabei meist nicht nur lokal auf der Sportuhr gespeichert. Zu einer GPS- oder Fitness-Uhr gehört heute klassischerweise auch immer eine App. Diese ist mit der Cloud der Anbieter wie Garmin, Strava, Komoot oder Polar verbunden.  

Für Nutzer ist das komfortabel, denn sie können mit umfangreichen Funktionen ihre Daten auswerten, teilen und auch freigegebene Daten anderer Nutzer verwenden. Doch auch die Hersteller profitieren, denn die gelieferten Läuferdaten sind wahre Schätze. 

Doch wem gehören diese Daten eigentlich? Und wie kann man sie mitnehmen, wenn man den Anbieter wechseln oder sie einfach sichern möchte? 

Jedes Land hat eigene Regeln 

Der Umgang mit Nutzerdaten ist überall auf der Welt ein Thema. Und jedes Land hat eigene Regeln dafür. Nach Schweizer Recht gilt: Sportdaten gehören grundsätzlich Ihnen. Das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) schützt alle Informationen, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen. Dazu gehören auch Trainings- und Gesundheitsdaten. Diese zählen zu den besonders schützenswerten Personendaten, da sie Rückschlüsse auf Ihre Fitness, Ihr Bewegungsverhalten oder gar Ihren Gesundheitszustand zulassen. 

Wer Daten bei einem Anbieter speichert, bleibt Inhaber der Daten, überträgt dem Anbieter aber vertraglich gewisse Nutzungsrechte, die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen nachzulesen sind. Dort ist dann genau festgelegt, was gespeichert, analysiert und weitergegeben werden darf.  

Tipp: Egal, mit welcher App Sie Ihre Trainingsdaten verwalten. Es lohnt sich ein Blick in die Datenschutzeinstellungen zu werfen. Prüfen Sie, welche Möglichkeiten es für den Datenschutz gibt und passen Sie diese an Ihre Wünsche an. 

Daten mitnehmen 

Auch wenn Sie alle erfassten Daten in die Hersteller-Clouds schicken, es bleiben Ihre Daten. Das Datenschutzgesetz schreibt vor, dass jede betroffene Person das Recht hat, Auskunft über die gespeicherten Daten zu verlangen und eine Kopie der Daten in einem gängigen Format zu erhalten.  

Die grossen Fitness-Plattformen bieten deshalb auch Exportfunktionen an, mit denen sich Trainingsdaten herunterladen und auf anderen Diensten weiterverwenden lassen. So behalten Sie bei den grossen Plattformen die Kontrolle über Ihre sportliche Geschichte. 

Wohin mit den Daten? 

Fast alle Sport-Apps unterstützen GPX-, TCX- oder FIT-Dateien, sodass Sie in der Regel die Plattformen wechseln können. Hier steckt der Teufel aber manchmal im Detail. Wer mehrere Plattformen parallel nutzt, kann Synchronisierungsdienste wie Tapiriik oder RunGap verwenden, um Daten automatisch zwischen Strava, Garmin, Komoot und anderen Diensten auszutauschen. 

Ernüchternd kann es allerdings werden, wenn man etwa von der Trainingsuhr eines Herstellers A zu einem Modell von Hersteller B wechselt. Denn es ist keineswegs garantiert, dass B alle Daten, die A gesammelt hat, auch korrekt verarbeiten kann. Zwar setzen viele Anbieter auf gängige Formate wie GPX, TCX oder FIT, doch jedes System interpretiert diese leicht unterschiedlich. Dadurch können Herzfrequenzen, Trittfrequenzen oder Wattwerte beim Import verloren gehen oder falsch angezeigt werden. 

In unseren Experimenten mit verschiedenen Exporten und Importen liessen sich die Daten zwar grundsätzlich übernehmen, doch ein Problem bleibt: Für Analysen oder Statistiken werden importierte Daten in der Regel nicht verwendet. Die Trainings erscheinen zwar in der Übersicht, fliessen aber nicht in Auswertungen wie Wochenstatistiken, VO₂max-Berechnungen oder Leistungszonen ein. So entsteht der paradoxe Effekt, dass man seine Trainings zwar mitnehmen, aber die daraus gewonnenen Erkenntnisse nicht weiterverwenden kann. 

Ein Ausweg kann sein, dass viele Sport-Apps sich untereinander verknüpfen lassen. Beispiele: Strava und Garmin Connect oder Komoot und TrainingPeaks können automatisch Daten synchronisieren. Wer seine Daten portabel halten will, kann diese Schnittstellen (APIs) aktiv nutzen. Allerdings speichern die Anbieter in der Regel nur neue Aktivitäten, ältere Daten müssen weiterhin manuell exportiert werden. 

Vorsicht beim Teilen 

Sportdaten verraten mehr, als man denkt, etwa, wo Sie wohnen, wann Sie trainieren und wie fit Sie sind. Besonders bei geteilten Routen oder öffentlichen Profilen ist Vorsicht geboten. Viele Plattformen bieten in den Datenschutzeinstellungen die Möglichkeit, Start- und Zielpunkte zu verbergen oder Profile privat zu halten. 

Auch wichtig: Wenn ein Anbieter seinen Sitz ausserhalb der Schweiz oder der EU hat, gelten die Schweizer Datenschutzstandards nicht automatisch. Daten können dann in Länder übertragen werden, deren Schutzstandards schlechter sind. 

Prüfe, wer sich bindet 

Die gute Nachricht: Ihre Trainingsdaten gehören Ihnen. Die schlechte: Viele Anbieter behalten sich weitreichende Nutzungsrechte vor. Wer den Überblick behalten will, sollte regelmässig prüfen, was geteilt wird und in den Datenschutzeinstellungen nachjustieren. Der Datenumzug funktioniert technisch meist gut, auch wenn importierte Aktivitäten nicht immer vollständig analysiert werden.  

Der letzte Tipp zum Schluss: Nach einem erfolgreichen Wechsel lohnt sich ein letzter Schritt: das alte Konto löschen – und mit sauberen Daten weiterlaufen.

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