Energy Drinks versprechen Energie und Vitalität, sind aber für aktive Sportler nur bedingt geeignet. Die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gibt.
Wann ist ein Energy Drink auch wirklich ein Energy Drink?
Das Lebensmittelgesetz gibt klare Definitionen vor, welche Höchstwerte an Inhaltsstoffen in einem Energy-Getränk enthalten sein dürfen und müssen. Ein Energy Drink ist rechtlich definiert als ein Erfrischungsgetränk mit einem Koffeingehalt von über 25 mg pro 100 ml. (bzw. über 150 mg/l ). Die maximale Koffeinhöchstmenge beträgt 160 mg pro Portion/Tagesration (bis zu 500 ml), bei einem erhöhten Koffeingehalt über 150 mg/l ist eine verpflichtende Kennzeichnung nötig sowie spezielle Warnhinweise für Kinder und schwangere Personen.
Wie kalorienreich sind Energy Drinks?
In einem Deziliter Energy Drink sind rund 11 – 12 Gramm Zucker enthalten , also rund 3–4 Würfelzucker pro Deziliter. Das ist etwa gleich viel wie in herkömmlichen Süssgetränken wie Coca Cola oder Fanta, aber deutlich mehr als in einem Sportgetränk oder auch einer Apfelschorle.
Woher kommt das Image von Energy Drinks als Aufputscher?
Vor allem aufgrund von Inhaltsstoffen wie Koffein und Taurin.
Was bewirken diese Substanzen?
Koffein ist ein natürlicher Inhaltsstoff einiger Pflanzenarten, vor allem von Kaffee, Tee, Guarana, Kolanuss und Kakao. Es wirkt in erster Linie auf das Zentralnervensystem und zeigt schon bei geringer Zufuhr eine stimulierende Wirkung. Es beseitigt Müdigkeitserscheinungen, steigert die Stimmung, Konzentration und Leistungsbereitschaft. Und auch die Lernfähigkeit, die motorischen Fähigkeiten sowie die Förderung des Fettstoffwechsels können positiv beeinflusst werden. Bei hohen Dosierungen kann es aber zu unerwünschten stressähnlichen Symptomen mit Zittern, Unruhe oder gar Erbrechen kommen.
Ist die Koffeineinnahme im Sport erlaubt?
Ja, die Koffeineinnahme ist erlaubt. Heute erlaubt, muss man anfügen. Denn bis 2004 stand Koffein noch auf der Dopingliste. Dann aber hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA Koffein als erlaubt eingestuft.
Wie viel Koffein ist sinnvoll?
Die leistungssteigernde Wirkung des Koffeins ist individuell, kann aber normalerweise mit Dosierungen von rund 3 bis 6 mg pro Kilogramm Körpermasse beobachtet werden. Für einen erwachsenen Mann von 70 Kilo bedeutet dies also eine Menge von 210–420 mg. Eine Steigerung dieser Dosis bringt keinen zusätzlichen positiven Effekt.
Wie viel Koffein ist in Energy Drinks enthalten?
Gemäss der schweizerischen Lebensmittelverordnung dürfen koffeinhaltige Spezialgetränke wie Energy Drinks höchstens 32 mg Koffein pro Deziliter enthalten. Der 70-Kilo-Mann müsste demnach rund einen Liter trinken, um von der Wirkung optimal profitieren zu können. Zum Vergleich: Eine Tasse Bohnenkaffee enthält bis 100 mg Koffein pro Deziliter, ein Glas Cola rund 25 mg pro Deziliter.
Was bewirkt das sagenumwobene Taurin, das oft auch in Energy Drinks enthalten ist und von dem es lange hiess, es werde aus Stierenhoden hergestellt?
Taurin ist vor allem von Marketingstrategen als Wundermittel hochgejubelt worden. Es wird mittlerweile synthetisch ohne « Bullenhilfe » hergestellt, so viel zum Mythos. Taurin ist eine Aminosäure und wird vom Körper hergestellt. Gute Nahrungsquellen sind Fisch, Fleisch und Milchprodukte. Taurin wird oft eine aufputschende Wirkung zugesprochen, was aber nicht stimmt. Diskutiert werden positive Effekte auf die Entwicklung des Nervensystems und beim Muskelwachstum und auch eine Funktion als Radikalfänger. Möglicherweise verstärkt Taurin auch die Wirkung des Koffeins.
Da ist noch ein dritter Stoff, das sogenannte Glucuronolacton, das in erhältlichen Energy Drinks enthalten ist. Was ist das?
Glucuronolacton ist ein natürlicher Stoffwechsel- und Bindegewebsbestandteil, den der menschliche Körper aus Glucose herstellt. Bekannt ist die Verbindung vor allem als üblicher, synthetisch nachgebauter Zusatzstoff in Energy-Drinks. Dem Stoff wird eine antioxidative und entgiftungsfördernde Wirkung nachgesagt.
Was sonst ist in Energy Drinks enthalten?
L-Carnitin zum Beispiel. Das wird ebenfalls vom Körper selber hergestellt und hat seine Funktion im Fettstoffwechseltransport. Ob ein Zusatz an L-Carnitin einen verbesserten Einfluss auf die Fettverbrennung hat, wird kontrovers diskutiert. Zudem werden Energy Drinks oft mit zahlreichen Vitaminen, vor allem B-Vitaminen und Folsäure angereichert. Fruchtzusätze sollen Natürlichkeit und auch Gesundheit suggerieren. Neben den erwähnten Inhaltsstoffen bestehen die Drinks vorwiegend aus Wasser, Zucker, Geschmacks- und Farbstoffen.
Wie geeignet sind Energy Drinks für den Sporteinsatz?
Während der sportlichen Belastung hat sich ein Kohlenhydratgehalt von rund 6 – 8%, wie er in klassischen Sportgetränken enthalten ist, als ideal erwiesen. Energy Drinks enthalten wie Süssgetränke rund 11–12 %, das ist zu viel für eine optimale Wirkung im Sport. Kommt dazu, dass diese Kohlenhydrate meist aus einfachem Haushaltszucker stammen. Koffein als Inhaltsstoff wirkt zwar stimulierend, wird aber nicht von allen gleich gut vertragen. Auch die in Energy Drinks enthaltene Kohlensäure und der hohe Säuregehalt, der für einen prickelnden Geschmack sorgt, führen unter Belastung oft zu Verträglichkeitsproblemen. Und ebenfalls wichtig: Energy Drinks enthalten kein Salz, was bei langen sportlichen Ausdauerleistungen von Wichtigkeit sein kann.
Hat der hohe Säuregehalt einen Einfluss auf die Zahngesundheit?
Der Säuregehalt in Energy Drinks wie auch in klassischen Sportgetränken ist ein grosses Problem für die Zahngesundheit und verursacht eine Schädigung des Zahnschmelzes. Man sollte den Konsum in Grenzen halten und wenn immer möglich mit Wasser nachspülen oder die Zähne regelmässig putzen.
Was sind die wichtigsten Vorteile von Energy Drinks?
Ernährungsphysiologisch gibt es keine. Aus psychologischer Seite suggeriert das Marketing folgende Vorteile : 1. leistungsfähiger dank Koffein, 2. schnell verfügbare Energiequelle, 3. ansprechender Geschmack und prickelndes Gefühl, 4. trendig und «in» sein.
Und die Nachteile?
1. Sie sind teuer. Ein Liter kostet zwischen 3.50 und 8 Franken! 2. Die Mischung aus Zucker und hohem Säuregehalt ist eine fatale Kombination für die Zähne. 3. Energy Drinks enthalten eine hohe Menge an Zucker und liefern viele «leere» Kalorien, bewirken dadurch einen raschen Anstieg, aber auch einen raschen Abfall des Blutzuckerspiegels. Und durch den hohen Kaloriengehalt können sie bei einer gewünschten Gewichtskontrolle eine negative Rolle spielen. 4. Die Wirkung der zahlreichen Inhaltsstoffe ist unklar. In hohen Mengen und in Kombination mit Alkohol konsumiert werden Energy Drinks daher von zahlreichen Wissenschaftlern als «bedenklich» eingestuft.

























