Bildquelle: zVg

Der 3. Witiker Backyard Ultra ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Der Sieger Nima Javaheri lief 34 Runden.

Bei optimalen Witterungsbedingungen wurden am Auffahrts-Donnerstag in Witikon bei Zürich 64 Läuferinnen und Läufer auf die 6,7 km lange Strecke durch den Witiker Wald geschickt. Das Startsignal erfolgte wie üblich bei einem Backyard mit einer grossen lauten Glocke.

Seit der ersten Austragung im Jahr hat sich das Wettkampfgelände beinahe verdoppelt, viele Teilnehmer haben ihren eigenen Pavillon und ihre eigene Crew mitgebracht. Das gibt dem ganzen Event eine Art Festivalcharakter, was von allen sehr geschätzt wird. Leider kam es in der letzten Woche noch zu einigen Abmeldungen, so dass das Teilnehmerlimit von 70 nicht ausgenutzt werden konnte.

Niklas Sjöbloms kurzer Auftritt

Der Sieger der Erstaustragung 2020, Niklas Sjöblom, beendete das Rennen bereits nach 4 Runden, drei davon allerdings in einem 4-Minuten-Schnitt, was auf einer flachen Strecke einem 3.45-Minuten-Schnitt entspricht. Der Grund des kurzen Auftritts des Schweden war die am gleichen Wochenende anstehende Schwedische Marathonmeisterschaft.

Kalte Nacht fürs OK

44 Teilnehmer schafften insgesamt 10 Runden, was laut dem üblichen Backyard-Austragungsmodus (siehe ganz unten) einer Wettkampfzeit von 10 Stunden entspricht. Neun Sportler schafften 12 Runden, die meisten davon liefen damit so weit wie nie zuvor, nämlich 12 x 6,7 km, also knapp 80 km. Mittlerweile war es mitten in der Nacht, und diese wurde erstaunlich kalt. Den Teilnehmern machte dies weniger aus als dem Organisations-Team, welches sich immerhin an einer grossen Feuerschale wärmen konnte.

25 schafften 100 km

Die magische 100 Kilometermarke nach 15 Runden absolvierten insgesamt 25 Teilnehmer. Im letzten Jahr waren dies noch rund 10 Sportler mehr. Genauso verhielt es sich mit der 100-Meilenmarke: Im Jahr 2021 erreichten diese 23 Läufer, was bei der schwierigen Strecke einer enorm hohen Quote entsprach. In diesem Jahr waren es 13 Läufer und Läuferinnen. 9 davon liefen noch weiter, um sich eine bessere Ausgangslage für die Qualifikation ins WM Team zu sichern.

Antje Machold mit 25 Runden

Die ausdauerndste Frau war Antje Machold mit 25 Runden. Die 45-Jährige nutzte den Event als Test für den Berliner Mauerweglauf im August. Eine Runde weiter schaffte Sam Shepherd, und  noch weiter kamen Christian Knapp (27 Runden) und Thomas Vetterli (29 Runden), die beide ein sehr konstantes Rennen liefen.

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Jörg Desteffani war bei allen drei bisherigen Rennen am Start in Witikon und immer in den Top 5. Diesmal reichte es sogar aufs Podest. Stefan Knoche überraschte mit seiner Lockerheit alle und belegte hinter dem noch ungeschlagenen Nima Javaheri den zweiten Platz mit 33. Runden.

Nima Javaheri hat damit nach dem Backyard in Jegenstorf (Oktober 2021, 51 Runden) und dem 2. Witiker Backyard (Juni 2021, 34 Runden) erneut gewonnen und wartet weiterhin darauf, dass er richtig gefordert wird.

Nach insgesamt 34 Stunden Wettkampfdauer genossen die verbliebenen Teilnehmer und Helfer an einer langen Essentafel zum Nudelessen mit Siegerehrung, ein wunderschöner Abschluss einer erfolgreichen Veranstaltung.

Premiere der Rookies

Parallel fand am Samstag noch der erste weltweite Rookies Backyard statt. Das Prinzip war dasselbe wie bei den Grossen, allerdings mit angepasster Strecke (590 m) und anderem Zeitlimit (6 Minuten). Zürich Athletics hat die Teamwertung souverän gewonnen und darf sich über einen Eintritt ins Alpamare freuen. Ein Rookies Backyard wird es in leicht angepasster Form auch im nächsten Jahr geben, da sich sowohl Kinder und Eltern begeistert zeigten.

Die Regeln eines Backyard Ultra

Das Rennformat des Backyard Ultra hat seine ganz eigene Geschichte. Ausgedacht hat sich die ungewöhnliche Idee Gary «Lazarus Lake» Cantrell, der bereits für den berühmt berüchtigten Barkley Marathon (100 Meilen) verantwortlich ist. Das Konzept des Big Dog’s Backyard ist ein Ausscheidungsrennen nach dem Motto «Last Man bzw. Woman Standing». Mittlerweile gibt es ein standardisiertes Regelwerk dazu, welches sich in wenigen Sätzen zusammenfassen lässt und weltweit bei anderen Backyard-Veranstaltungen zum Einsatz kommt:

  • Gelaufen wird auf einer Runde von exakt 4,167 Meilen (6,706 km). Zu jeder vollen Stunde wird gemeinsam eine neue Runde gestartet.
  • Wer die Runde nicht innerhalb dieser Stunde absolviert oder für die nächste Runde nicht rechtzeitig an der Startlinie steht, ist disqualifiziert. Wie schnell man die Runde läuft, ist egal. Ebenso, was man noch macht, bis die Stunde um ist.
  • Das Rennen endet erst, wenn nur noch ein Läufer die Distanz innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens eingehalten hat. Egal, wie lange das dauert. Schafft kein Teilnehmer eine Runde mehr als die anderen, erhalten alle Athleten ein DNF («did not finish») und es gibt keinen Sieger.
  • Ausnahme ist Schweden; wenn da nicht ein einzelner übrigbleibt, gilt als Sieger, wer die vorherige Runde am schnellsten absolviert hat.

Beim Backyard Marathon gewinnt also nicht der schnellste Läufer, sondern derjenige mit dem längeren Atem und dem besten Durchhaltevermögen. Und warum genau 4,167 Meilen pro Runde? Ein Zufall ist das nicht. Wer 24 Stunden durchhält, erreicht mit den 4,167 Meilen exakt die 100 Meilenmarke, und diese Distanz besitzt in Amerika bei Laufveranstaltungen eine magische Anziehungskraft. Speziell, wenn man die 100 Meilen innerhalb eines Tages zurücklegen kann.

Infos zum Schweizer Backyard Ultra unter www.backyardultra.ch 

 

 

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