Bildquelle: © Andreas Gonseth

Wer im Radsport in Sachen Trainingssteuerung am Puls der Zeit sein will, der vertraut einem Wattmessgerät.

Ausdauersportler, die sich gezielt auf einen Anlass vorbereiten oder in ihrer Kernsportart schneller werden wollen, setzen sich früher oder später mit der Trainingslehre auseinander und versuchen, ihr Training zielgerichtet zu strukturieren und in einen Jahresplan zu bringen. Der Ansatz dabei ist im Grundsatz immer derselbe und Möglichkeiten dafür gibt es einige.

Professionelle Anbieter ermitteln mittels Stufentests, Laktatmessungen oder Spiroergometrie die aktuelle Leistungsfähigkeit in der jeweiligen Sportart, leiten daraus die individuell passenden Puls-Trainingszonen ab und definieren, in welchen Zonen man wann und wie häufig trainieren sollte.

Hält man sich an die Vorgaben, verbessert sich die Leistungsfähigkeit erstaunlich präzis in die gewünschte Richtung. Denn Ausdauerleistung ist bis zu einem erheblichen Grad planbar und das Resultat systematischen Trainings. Im Laufsport kann man – zumindest im Flachen – den ermittelten Pulswerten die entsprechenden Laufgeschwindigkeiten zuordnen und so nach Tempo trainieren, mit modernen GPS-Uhren mittlerweile kein Problem mehr. Auch im Schwimmen wird nach Geschwindigkeit trainiert, eine Pulsmessung wäre zu kompliziert und unpraktisch.

Im Radsport hingegen funktioniert das Training nach Tempo weit weniger gut, denn dieses ist auf dem Rad zu stark abhängig vom Streckenprofil, allfälligem Wind und Regen, dem gewählten Material (Rennvelo oder Bike?) oder auch schlicht davon, ob man alleine oder in der Gruppe fährt. Reine Durchschnittstempi sagen wenig aus.

Dafür gibt es im Radsport mit der Wattmessung eine Errungenschaft, die präzis die Leistung des Sportlers anzeigt, unbestechlich, unabhängig – und mittlerweile immer erschwinglicher. Das Angebot der Systeme wird immer grösser, die Genauigkeit immer besser – und gleichzeitig fallen die Preise. Wattmessgeräte sind dadurch nicht mehr nur dem Profi- oder ambitionierten Radsportler vorbehalten, sondern erobern sich nach und nach auch ihren Platz im Hobbysport. Vorteile der Watt- gegenüber der Pulsmessung gibt es einige.

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Schwankender Herzschlag

Der menschliche Herzschlag ist von zahlreichen Faktoren abhängig wie Schlaf, Tageszeit, Temperatur, Stress, Nervosität oder Vorbelastung. Zudem reagiert der Herzschlag beispielsweise bei kurzen und intensiven Belastungsspitzen wie Intervallen zu träge, um die vorgegebene Belastung präzise einhalten zu können. Die Wattmessung hingegen zeigt sekundengenau die Leistung an, die ein Fahrer auf die Pedale bringt.

Sie möchten Ihre neusten Bergintervalle vergleichen mit solchen vor zwei Jahren und erkennen, bei welcher Trittfrequenz Sie die beste Leistung erbringen? Oder sehen, wie sich die Wattzahl verändert, wenn Sie bei einer langen Ausfahrt plötzlich einbrechen oder bei welcher Leistung Sie eine Gruppe ziehen lassen mussten? Mit Wattmessung kein Problem. Geschickt eingesetzt ist sie nicht einfach eine neumodische Spielerei, sondern ein höchst effizientes Trainingsinstrument, das Ihnen Ihre Schwächen gnadenlos aufzeigt, und Sie aber auch befähigt, gezielt daran zu arbeiten.

Die Leistungsmessung zeigt einem zudem, ob das Gefühl stimmt, wenn man nach einer 30-km/h-Ausfahrt euphorisch nach Hause kommt oder ob das hohe Tempo in erster Linie wegen günstiger Windverhältnisse zustande gekommen ist. Zusammen mit der Puls- und Trittfrequenzmessung bildet die Leistungsmessung im Radsport ein effizientes Trio, mit dem Sie Ihren Körper «lesen» können. Sie können damit erkennen, ob der Puls wie gewünscht langfristig sinkt bei gleicher Leistung, was ja eine grundsätzliche Zielsetzung des sportlichen Trainings ist. Oder ob der Herzschlag im Gegenteil bei gleicher Wattzahl plötzlich ansteigt, was ein Frühwarnzeichen für Infektionen oder Überbelastung sein kann.

Etwas Trainingswissen sollte sein

Trotz (oder gerade auch wegen) der Lobeshymne: Wer mit dem Kauf eines Wattmessgerätes liebäugelt, muss sich bewusst sein, dass Interesse, Engagement und etwas Trainingswissen wichtige Voraussetzungen sind, um aus den ermittelten Daten die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Denn wo fleissig Daten gesammelt werden, stellt sich immer auch die Frage, was man mit den einzelnen Zahlen macht und wie man sie interpretieren kann.

Die blosse Protokollierung der durchschnittlichen Wattleistung während einer Ausfahrt hat zwar allenfalls einen Unterhaltungswert, aber etwa so viel Informationsgehalt wie das Durchschnittstempo – nämlich herzlich wenig! Das Leistungsmessgerät dient dazu, mit den Reaktionen des Körpers Erfahrungen zu sammeln. Und diese Erfahrungen reflektieren zu können.

Wer sich ein Wattmessgerät zulegt, der sollte es daher nicht nur zur Aufzeichnung der Trainingseinheiten nutzen (wobei mit dem Aufzeichnen auch die Erfahrung kommt), sondern vielmehr zur Steuerung derselben. Und dies wiederum setzt zwei weitere nötige Eigenschaften voraus: Motivation und Biss. Ein zielgerichtetes Training mit dem Wattmessgerät holt Sie definitiv aus der Komfortzone von konstanten Dauertrainings heraus, es führt Sie in Grenzbereiche von Belastungen und Trittfrequenzen, die man sich intuitiv kaum antun würde. Wem ein Training jenseits des Wohlfühlbereichs zu mühselig ist, sollte besser die Finger von der Wattmessung lassen.

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