Velofahren ist so vielseitig wie nie, und die Sparte Tourenfahren in allen Variationen wächst und wächst. Dabei stellt sich irgendwann die Frage: Welches Navi solls denn sein? Eine Entscheidungshilfe.

Sich einfach aufs Fahrrad schwingen und losfahren, das klingt so einfach wie genial. Viele Menschen machen das oft und mit Leidenschaft – und es werden immer mehr. Den Weg von A nach B zu finden, ist dabei Grundvoraussetzung. Wer neue Gegenden entdecken und auf grösseren Touren abwechslungsreiche Kilometer erleben will, braucht eine genaue Orientierung.

Wie beim Auto hat sich in den letzten 20 Jahren auch auf dem Velo die GPS-Navigation professionalisiert und die Tourenplanung massiv erleichtert. Doch längst nicht alle Radfahrer nutzen die technischen Möglichkeiten. Bei den meisten Radreisen orientieren sich nach wie vor zwei von drei Velofahrerinnen und Velofahrern noch an klassischen Schildern. Wer digital mit dem Fahrrad navigieren will, für den bieten sich heute zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Smartphone in Kombination mit Apps: Was im Auto und zu Fuss funktioniert, klappt auch auf dem Velo. Die Rede ist von der Navigation mit Smartphone und passenden Apps. Oft verwendet wird Google Maps, ist aber auf dem Velo häufig nicht die beste Wahl. Nützlicher sind spezielle Planungs-Apps mit speziellen Suchfunktionen.
  • Spezielles GPS-Navi: Spezielle Velo-Navigationsgeräte, die extra für diesen Zweck konzipiert werden, bieten zahlreiche Vorteile und sind für regelmässige Tourenfahrer erste Wahl. Mit ihnen kann man kurzfristig eine Route planen oder geplante Routen bequem abfahren.

Papier hat immer Akku

Die erste Frage, die Sie beantworten müssen, lautet: Sind Sie eher der Smartphone-Navigator oder ein Kandidat für ein richtiges Bike-Navi? Wer jetzt fragt, ob man nicht einfach ganz old school mit Faltkarte unterwegs sein kann, dem sei gesagt, dass das eine hervorragende Idee ist. Wer auf unbekannten Pfaden fährt, vielleicht noch in eher dünn besiedelten Gebieten, sollte auch heute noch als Notfallvorsorge nicht nur ein Erste-Hilfe-Set dabeihaben, sondern immer auch eine Papierkarte. Der Grund: Papier hat immer Akku und Empfang und überlebt auch Stürze und Defekte. Ausserdem ist die Navigation per Karte eine tolle Sache, um zu entschleunigen und der Natur noch einmal ein Stück näher zu sein, zumal man die Umgebung mit einer Karte weitaus plastischer erlebt und im Bewusstsein speichert als mit blindem Gehorsam gegenüber einem Navi.

Vorteile der Smartphone-Navigation

Doch ebenso gilt: Moderne GPS-Navigation ist enorm komfortabel und es macht schon Spass, mit den rechtzeitigen Hinweisen zum Abbiegen ohne zeitraubende Neuorientierung eine vorher geplante Route abzufahren, ohne die Karte aufzufalten. Zudem fühlt man sich als echter Abenteurer, wenn man im fernen Ausland wie ein Local Guide versteckte Singletrails abfahren kann, die man zuhause ausgetüftelt hat.

Unser Tipp: Wenn Sie noch unsicher sind, ob ein Navi für Sie in Frage kommt oder das Smartphone reicht, dann testen Sie das zuerst ganz einfach mit Google Maps oder einer spezialisierten Tourenplanungs-App wie Komoot. Denn auch wenn Apps komplett kostenlos sind oder nur kleines Geld kosten, kann sich ihre Navigation sehen lassen.

Apropos Kosten: Der grosse Vorteil der Smartphone-Navigation ist, dass Sie sich keine zusätzliche Hardware anschaffen müssen. Praktische Accessoires hingegen sind nützlich: Wenn Sie dauerhaft bei der Smartphone-Navigation bleiben, ist neben einer passenden Lenkerhalterung auch eine Hülle Pflicht, um das Gerät zu schützen. Alternativ packen Sie das Smartphone aussen an den Bike-Rucksack und stecken sich einen Bluetooth-Kopfhörer ins Ohr.

Mit Google Maps navigieren

Google Maps hat wohl jeder schon mal verwendet. Doch im Eifer des Gefechts kann es passieren, dass Sie mit der Gratis-App nicht das erreichen, was Sie sich als Velofahrer vorstellen. Denn grundsätzlich geht Google nicht davon aus, dass Sie eine möglichst schöne Tour machen wollen, sondern der Grundgedanke lautet immer, Nutzer so schnell wie möglich von A nach B zu bringen.

Auch bei der Velo-Navigation wird bei Google deshalb die aktuelle Verkehrslage einberechnet und Sie werden in der Regel über grössere Strassen geschleust. Für eine erholsame Tour ist das wenig attraktiv. Das Ende der Praktikabilität von Google Maps ist dann da, wo offizielle Wege aufhören.

Offline-Karten können Sie sich aber bei Google Maps gratis laden, Sie müssen nur vorher im Online-Modus die Veloroute berechnen lassen. In der Stadt und auf dem Trekking-Velo braucht man oft nicht viel mehr. Testen Sie es doch einfach mit einer ersten kleinen Tour. Wenn Sie aber Rennvelotrainings absolvieren, versteckte Trails entdecken oder spezielle Bike-Touren planen wollen, reicht die kostenlose Navigation mit Google Maps nicht mehr aus. Dann sind spezielle Apps gefragt – und/oder ein Navigationsgerät.

Das können spezielle Bike-Navis

Bike-Navis sind vergleichbar mit GPS-Sportuhren. Sie sind Spezialisten auf ihrem Gebiet, in diesem Fall für Velo-Navigation und manchmal auch für Velotraining. Die Geräte verfügen über spezielle Hardware-Komponenten, etwa barometrische Höhenmesser, und sind robuster gebaut als Standard-Smartphones. Die Bildschirme sind auch unter direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar und die Navis bieten zahlreiche Extras für die Leistungsdatenerfassung und deren Auswertung.

Ebenfalls ein wichtiger Vorteil: Die Akkus der Velo-Navis sind auf Ausdauer optimiert, sollten also auch längere Touren ohne Nachladen überstehen. Beim Smartphone macht der Akku bei der Verwendung im GPS-Modus meist bereits nach wenigen Stunden schlapp. Man sollte zur Sicherheit daher noch ein zusätzliches Powerpack zum Nachladen mit sich führen. Zudem wird bei einem Navi das nötige Zubehör für die Montage am Bike meist mitgeliefert. Interessant für E-Bike-Fahrer: Hilfreiche Infos, etwa zum Akkustand, lassen sich oft in die Datenseiten der Navis integrieren.

Wer nicht nur kleinen Pfeilen nachfahren will, sondern auch einen Gesamteindruck der Gegend gewinnen möchte, sollte auf ein grosses Display achten. So nimmt man auch Details wahr links und rechts neben dem Track.

Das passende Modell finden

Wenn Sie sich für ein Bike-Navi interessieren, gibt es verschiedene Modelle. Ganz grob klappt die Unterscheidung in zwei Gerätekategorien:

  • Für Tourenradler: Egal, ob E-Bike, Tourenbike oder Mountainbike: Wenn das Entdecken neuer Touren im Vordergrund steht, gibt es dafür spezialisierte Geräte. Sie erhalten ein Velo-Navi mit vorinstallierten Karten, automatischer Routen-Navigation inklusive Nachfahren vorgefertigter Tracks, Downloads von Touren über das Smartphone und das Ganze kombiniert mit einfacher Bedienung, robuster Bauweise und langer Akkulaufzeit. Ein grosses Display macht hier Sinn.
  • Für Sportler: Natürlich sind auch Tourenradler Sportler, gemeint sind aber hier Athleten, die das Fahrrad in erster Linie als Trainingsgerät nutzen. Auch die brauchen Navigation und können neue Strecken entdecken. Es geht ihnen aber auch um Trainingsfunktionen, Aufzeichnung von Leistungsdaten, Strava-Anbindung und das Koppeln zusätzlicher Geräte wie Tritt- oder Herzfrequenzsensoren. Das ist natürlich nicht nur für Rennradfahrer interessant, weshalb die Grenzen zwischen den Geräten etwas verschwimmen.

Komfortable Navigation

Die beliebte Outdoor-App Komoot ist mittlerweile auch bei den Velo-Navis zu einer Art Standard geworden. Das bedeutet: Sie können sich über die App und Webseite von Komoot eine Tour aussuchen oder diese individuell planen und dann einfach auf das Bike-Navi herunterladen. Dort starten Sie mit einem Knopfdruck die Navigation und werden 1:1 über die Strecke geleitet. Auf diese Art können Sie alle Ihre Touren perfekt vorbereiten und umsetzen.

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Als universelles Austauschformat dient meist GPX. Diese Tracks können Sie in Komoot nicht nur generieren, sondern auch importieren (z. B. definierte Velo-Fernrouten wie EuroVelo oder beliebte Bike-Touren), auf Wunsch noch perfektionieren und dann auf das Velo-Navi übertragen. Komoot ist aber kein Muss: Bike-Navis bringen für die Planung meist eigene Apps mit und erlauben auch die Tourenplanung direkt am Gerät. Sie geben dann Start- und Zielpunkt an und können auch Zwischenziele planen. Die meisten planen aber heutzutage bequem zu Hause am Computer – und laden danach die Wunschtour bzw. den GPX-Track bequem aufs Navi runter.

 

Tipps für die Velo-Navigation

Mit den richtigen Tipps wird die Velo-Navigation zum Kinderspiel, Sie kommen am richtigen Ort an, nehmen die passende Route und können sich auf das konzentrieren, was Ihnen Spass macht, nämlich aufs Velofahren.

  • Die wichtigste Regel lautet, Touren in Ruhe zu planen. Apps und die Spezial-Navis werben zwar damit, dass man alles auch spontan hinkriegt, aber in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft. Vor allem bei grösseren Touren sollten Sie spätestens am Tag vorher mit der Streckenplanung beginnen und dort auch aktuelle Gegebenheiten wie das Wetter oder Sonnenauf- und -untergang einfliessen lassen. Wer sich genügend Zeit nimmt, findet immer wieder reizvolle Abkürzungen oder unbefahrene Routen abseits des Verkehrs.
  • Damit die Planung Ihre Vorstellung umsetzt und nicht einfach eine Strecke von A nach B auf direktem Weg ansteuert, sind eingefügte Zwischenziele hilfreich. Eine App wie Komoot verleitet zum Experimentieren. Man kann die Stecke mit der Maus beliebig verändern und dabei die dadurch zu leistenden Kilometer und Höhenmeter variieren und nach Wunsch und Kondition definieren. Mit den angegebenen Steigungsprozenten kann man auch kleine Single-Trails auf ihre Fahrbarkeit überprüfen.
  • Wie im Auto beherrschen auch die meisten Velo-Navis das Umleiten auf alternative Routen, jedoch gelingt das nicht allen im Offline-Modus. Doch genau der ist interessant, um Datenvolumen und Akku zu schonen. Praktisch ist für alle Fälle eine Track-Back-Funktion, die Sie zumindest sicher zum Ausgangspunkt zurückbringt.
  • Egal, ob Sie mit Smartphone oder Spezial-Navi unterwegs sind, laden Sie die Akkus in der Nacht vor der Tour und nehmen Sie für Notfälle eine Powerbank mit. Oft ist es nicht nötig, die Route ständig im Blick zu behalten. Ein Bluetooth-Knopf im Ohr tut es auch, um die Ansagen des Navis zu hören. Ist das Display ausgeschaltet, kann Akku gespart werden.

 

Drei bewährte Navigations-Apps für Radfahrer

Komoot: Bei der Tourenplanung und Navigation, egal ob für Trailrunning, Wandern oder verschiedene Bike-Aktivitäten – an Komoot kommt man nur schwer vorbei, sei es für Smartphones oder auch über spezielle Apps für Velo-Navis. Komoot lässt sich eingeschränkt gratis nutzen. Kauft man Karten (Regionen kosten 4 Franken), erhält man auch Offline-Funktion und Sprachnavigation. Optional steht ein Premium-Abo mit zusätzlichen Funktionen bereit.

OsmAnd: Beliebte Offline-Navi-App für Android. Sie bietet komplette Offline-Navigation, gutes Kartenmaterial und GPX-Import. Die Bedienung könnte aber einfacher sein. Ausserdem ist die Anzahl speicherbarer Karten begrenzt. Die App OsmAnd+ bietet diese Einschränkung nicht, kostet aber 25 US-Dollar.

Bikemap: Der Name ist Programm, die App hat sich auf Velo-Navigation spezialisiert. Mehr als neun Millionen Radrouten soll die App bereits bieten und auf dem Smartphone kann man sich die passenden Touren einfach raussuchen. Die Basisversion ist kostenlos, die Premium-Version bietet Offline-Karten und mehr Details in der Routenvorschau, kostet aber 44,99 Franken pro Jahr.

 

Touren-Organisation auf Schweizer Art

Wer gerne und häufig in der Schweiz unterwegs ist, kennt das offizielle Routennetz von SchweizMobil. Gelbe oder rote Schilder weisen Wanderern, Velofahrern und Bikern den Weg – quer durch unser Land. Die kostenlose App SchweizMobil (im App-Store erhältlich) bietet Landeskarten von swisstopo bis zum Massstab 1:10’000 (die Besten) inklusive 32’000 km signalisierte Langsamverkehrsrouten (national, regional und lokal), das gesamte signalisierte Wanderwegnetz (60’000 km) sowie 600 Routen für Winter-Aktivitäten und vieles mehr.

Um ausgeschilderte oder auch völlig eigene Touren zu planen, empfiehlt sich «Schweiz Mobil Plus». Dem kostenpflichtigen Online-Tool (35 Franken/Jahr) liegen die interaktiven Landeskarten von swisstopo im Massstab bis 1:25000 zugrunde. Damit kann man geplante Routen einzeichnen sowie Distanz, Höhenmeter, Höhenprofil, Wander- oder Velofahrzeit berechnen lassen. Die Touren lassen sich als GPS-Datei exportieren oder bequem in der App SchweizMobil (auch ohne Netzempfang!) benutzen.

 

Offline-Karten und WLAN nutzen

Bei der Streckenplanung verlässt man sich heute stark auf verfügbares Internet. Das kann bei Auslandsreisen zum Problem werden. Drei Tipps dafür.

Offline-Karten: Das zur Navigation nötige GPS funktioniert auch ohne Internet-Zugriff. Ein Problem in vielen Apps sind aber Karten, denn die werden in der Regel Ausschnitt für Ausschnitt aus dem Internet geladen. Um ohne Internet auszukommen, sollte Sie zuhause Offline-Karten auf Ihr Smartphone laden. Apps wie Komoot können das.

Hotel WLAN: Auch wenn Sie unterwegs auf Tour kein Internet haben, gibt es in der Unterkunft meist Internet-Zugang. Damit können Sie sich für den nächsten Lauf eindecken, etwa neue Touren planen, GPS-Tracks laden und auf Ihr Navi überspielen.

Adapter nicht vergessen: Wer sich auf Notebook, Smartphone, GPS-Uhr oder Navi verlässt, muss diese Geräte regelmässig auch laden. Für Auslandsreisen empfehlen sich Reiseadapter samt Mehrfachsteckdose, um alle Geräte auch laden zu können. Bei längeren Outdooreinsätzen ist als externer Akku auch ein mobiles Powerpack ein Muss.

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