Bildquelle: zVg

Der Schweizer Kultanlass findet diesen Sommer zum ultimativ letzten Mal statt. Damit möglichst viele teilnehmen können, gibt es viele clevere Startformate. Also nichts wie los und mitmachen!

Anfang Juli 1998 wars, als der erste Gigathlon über die Bühne ging und sportliches Neuland betrat. Ein neues Anlasskonzept, welches komplett anders war als alles, was es vorher gab. 244 Kilometer und 4000 Höhenmeter mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Premiere in den fünf Sportarten Biken, Rennrad, Inline-Skating, Schwimmen und Laufen bewältigen. Sie konnten dies in 5-er Teams oder ganz alleine als Singles tun.

16 Stunden nach dem Start im Bergell waren erst sechs der 226 gestarteten Singles im Ziel in Oerlikon angekommen. Der Schnellste unter ihnen, der von unzähligen Ironman-Triathlons und 100-Meilen-Läufen gestählte Amerikaner Rod Raymond, sprach erschöpft ins Mikrofon: «Das ist der härteste Wettkampf der Welt.»

Schweizer Erfolgsgeschichte

Der Rest ist Geschichte. Spätestens 2002 avancierte der Schweizer Multisportanlass beim siebentägigen Expo.02-Gigathlon zum Kultevent. Zum Synonym für ein sportliches und landschaftliches Erlebnis der Sonderklasse inklusive Pfadfinder-Romantik im traditionellen Zeltlager. Freundschaftliches Teambuildung im 5-er Team und Heldenkult im Singles-Modus symbolisierten die perfekte Synthese zwischen Breiten- und Leistungssport und zogen die Hobbysportler in Massen an. Das Multisport-Highlight hat unzählige Gigathleten in die hintersten Täler und über die kniffligsten Pässe der Schweizer Alpen geführt, für unvergessliche Erlebnisse und vor allem den typischen Gigathlon-Spirit gesorgt. Über viele Jahre wurde der Gigathlon jeweils nach Öffnung des Anmeldeportals von Startwilligen überflutet und war nach wenigen Minuten ausgebucht.

Organisatorischer Riesenaufwand

Die Einmaligkeit der einzelnen Austragungen und das Versprechen, sich mit jeder neuen Destination immer wieder neu zu erfinden, wurden über die Jahre aber auch zur Hypothek. Weil die organisatorischen und logistischen Aufwendungen eines Gigathlon ungleich höher sind als bei anderen Ausdauersportanlässen und mangels potenter Sponsoren die Sportlerinnen und Sportler den grössten Teil der Startgelder selbst bezahlen müssen, sanken die Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren in den Keller.

Und nicht zuletzt wegen Corona als Zünglein an der Waage entschlossen sich Vater Peter und Sohn Manuel Wirz von der austragenden Firma invents.ch schliesslich schweren Herzens, ihrem «Baby» Gigathlon einen letzten und würdigen Abschluss zu bieten. «Es wird nicht nur für uns emotional werden, sondern auch für viele Teilnehmer», sagt Manuel Wirz, «das sehen wir an den zahlreichen Rückmeldungen und den vielen bekannten Namen, die sich für den letzten Gigathlon bereits angemeldet haben.»

Von Zürich ins Bergell

Der Abschieds-Gigathlon 2022 kramt noch einmal tief in der Ideenkiste und zeigt, wie kreativ die Veranstalter möglichst allen Bedürfnissen und Leistungsstärken im Ausdauersport zu einer Startmöglichkeit verhelfen wollen. Vielleicht finden dadurch einige erst jetzt den Zugang zum Gigathlon und feiern ihre Premiere – es wird aber gleichzeitig auch ihre Dernière sein. Für alle anderen soll es ein sportliches Abschiedsfest und Get-together der Gigathlon-Community werden.

Doch der Reihe nach. Zuerst die Streckenführung. Die war schlussendlich naheliegend, ganz nach dem Motto der Lachse: «Back tot he Roots». Führte die Geburtsstunde des Gigathlon vom Bergell bis nach Zürich, wird die Abschiedsgala logischerweise den umgekehrten Weg von Zürich ins Bergell gehen. Auf den strapaziösen und insgesamt 244 Kilometern und 5400 Höhenmetern sind fünf Sportarten zu absolvieren in der Reihenfolge Schwimmen, Laufen, Rennrad, Mountainbike und Trailrunning.

«Flow» mit neuen Möglichkeiten

Damit möglichst viele Teilnehmer eine ihnen zusagende Startmöglichkeit finden, gibt es neue Kategorien, Strecken- und Wettkampfformate. Singles können über die Kurz- oder Langstrecke starten, Couples als gemischte Zweierteams (Couple Mixed), als zwei Frauen (Couple Women) oder zwei Männer (Couple Men). Und die Teams schliesslich in der gewohnten Zusammensetzung mit mindestens zwei Frauen, aber auch als reine Männer- oder Frauenteams (Team of Five Men oder Women).

Bei den angebotenen Strecken gibt es die gewohnte Kategorie «Classic» über die gesamte Distanz oder «Short» mit verkürzten Streckenabschnitten. Ganz neu und anhand der aktuellen Anmeldezahlen sehr begehrt ist das neue Wettkampfformat «Flow». Der Clou dabei: Die Teilnehmenden können sich bei jeder Disziplin nicht nur in der Wechselzone, sondern zusätzlich auch etwa bei Streckenhälfte des Abschnitts an den sogenannten Wechselpunkten ablösen und so die fünf Disziplinen flexibel aufteilen.

Werbung

Mit anderen Worten: Beim Couple können beide Startenden in allen fünf Sportarten unterwegs sein, und die Teams können sich so aufteilen, dass jedes Teammitglied nicht nur eine Sportart ausführt, sondern bei zwei Disziplinen starten kann.

Der Wermutstropfen, den die variablen Formate mit sich bringen: Ohne eigenes Fahrzeug geht es nicht. Der Gigathlon von Zürich ins Bergell lässt sich mit dem ÖV nicht mit einem vernünftigen finanziellen und organisatorischen Aufwand durchführen. Dank der Flexibilität, die individuelle Begleitfahrzeuge mit sich bringen, wurde dafür das neue Flow-Format möglich, welches eine völlig neue Streckenaufteilung ermöglicht.

Übernachtung möglich

Noch individualisierter wird das Gigathlon-Erlebnis 2022 durch die Möglichkeit, die Strecke nicht an einem Tag zu absolvieren, sondern in zwei Tagen mit Übernachtung im Val Surses. Was fix ist: Der Start erfolgt am Samstag, 2. Juli um 06.10 Uhr in der Badi Mythenquai in Zürich, Kontrollschluss in Vicosoprano ist der 3. Juli, 18 Uhr.

Dazwischen aber ist vieles möglich: Teams, Couples und Singles können aus eigener Kraft so rasch wie möglich nach Vicosoprana gelangen und dort gemütlich im Camp zusammensitzen und übernachten, sie erhalten aber nach der dritten Disziplin Velo im Val Surses zudem die Möglichkeit, eine Pause mit Übernachtung einzulegen, sich ausreichend zu verpflegen und zu erholen, bevor mit Bike und Trailrun am Sonntag die beiden letzten Disziplinen ins Bergell in Angriff genommen werden. Gigathleten, die nach 16 Uhr in der Wechselzone Savognin eintreffen, müssen dort übernachten.

Die Strecke ist lang und intensiv. So lang, dass sich vor allem Couples und Singles gut überlegen müssen, ob sie die Strapazen in einem Tag schaffen wollen oder die Herausforderung nicht lieber auf zwei Tage verteilen möchten. Obwohl bei der Anmeldung angegeben werden muss, ob man den Gigathlon in einem oder zwei Tagen plant, kann bei Verzögerungen unterwegs (Pannen) auch kurzfristig die Übernachtung in Anspruch genommen werden und umgekehrt bei optimalem Zeitplan die reservierte Übernachtung unterwegs storniert werden.

1000 Einheiten als Ziel

Das Gigathlon-Feld der allerletzten Austragung wächst und wächst. Bereits sind rund 750 Anmeldeeinheiten gebucht worden, ungefähr je ein Drittel Single, Couple und Team of Five. Manuel Wirz wünscht sich zum Abschluss eine runde Zahl: «1000 Starteinheiten wären ein würdiger Abschluss, dafür haben wir die Kapazität.»

Anmeldeschluss ist am 31. Mai 2022, es werden also noch einige zusätzliche Gigathleten erwartet. Alle, die bereits für den Gigathlon 2020 angemeldet waren – der aufgrund der Pandemie nicht stattfinden konnte – haben einen kostenlosen Startplatz für den Gigathlon 2022 erhalten.

Get-together im Bergell

Im geräumigen Zielraum in Vicosoprana wartet auf alle Finisher das grosse Zeltlager und eine Festwirtschaft. Die einmalige landschaftliche Kulisse sorgt für einen stimmungsvollen Rahmen. Ein zusätzliches organisatorisches Brimborium wollen die Veranstalter aber nicht bieten: Manuel Wirz: «Wir möchten den Abschluss im gemütlichen Rahmen feiern, es geht um den persönlichen Austausch innerhalb der Gigathlon-Community und nicht um ein rauschendes Fest. Wir würden uns freuen, viele bekannte Gesichter in Form ehemaliger Teilnehmenden, Helfer, OK-Mitglieder und Fans am Start zu sehen und diese in Vicosoprano persönlich verabschieden zu können.»

Anmeldungen unter: www.gigathlon.ch

Was Sie auch interessieren könnte

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.