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Manche sind beeindruckend, andere bloss skurril: Bestleistungen, die in keinem Sportverband, wohl aber im Guinness-Buch der Rekorde niedergeschrieben sind. Eine Auswahl aus dem Kuriositäten-Kabinett des Radsports.

Christoph Strasser: «Fast durchgedreht»

In 24 Stunden 942 Kilometer

Ultra-Radrennfahrer Christoph Strasser hat im Velodrome in Grenchen innert 24 Stunden eine Strecke von sage und schreibe 941,873 Kilometern zurückgelegt. Der Österreicher verbesserte damit den Weltrekord von Marko Bahlo (903,765 km) deutlich. Strasser, der mit einem Durchschnittstempo von 39,24 km / h unterwegs war, machte nur ein einziges Mal Pause – für einen Gang zur Toilette nach 22 Stunden.

Am Schluss hatte Strasser auf der Bahn 3767 Runden mit 7532 Linkskurven abgespult. Allein die Zahlen sind schwindelerregend. «Das war das Anstrengendste, was ich je gemacht habe», erklärte der sechsfache Sieger des Race Across America. Die Mono­tonie sei schlimm gewesen. «Ich bin fast durchgedreht.»

Ausserdem habe er durch die gekrümmte Sitzposition und die Fliehkraft schon frühzeitig «einen unglaublichen Druck auf den Magen-Darm-Trakt» verspürt. «Das hat die Nahrungsaufnahme erschwert.» Doch Strasser biss sich durch. Erst auf der Ehrenrunde liess er nach. Als er vom Velo steigen wollte, kam er nicht aus den Klickpedalen – und stürzte wie ein Anfänger.

Ultra-Triathlet Pascal Pich

10 477 km auf der Rolle

Was macht ein Extremsportler, wenn er – wie im harten Lockdown – die Wohnung nicht verlassen darf? Richtig: er fährt Velo, halt eben nicht draussen, sondern in den eigenen vier Wänden. Wie Pascal Pich (Bild). Der Franzose trat auf seinem Rennvelo daheim auf der Rolle 23 Tage lang in die Pedale und strampelte dabei virtuell 10 477 Kilometer ab, pro Tag also durchschnittlich 455,5 km. «Ich hätte in dieser Zeit auch von Paris nach Peking pedalen können», stellte der 57-Jährige belustigt fest.

Für seinen Rekord sass Pich täglich von 6 Uhr morgens bis 23 Uhr auf dem Sattel und machte dabei nur zwei viertelstündige Essenspausen. Nachts schlief er neben seinem Velo. Als grösstes Problem erwies sich für Pich nicht die Monotonie, sondern eine Verletzung am Gesäss. «Zeitweise war ich ziemlich am A …», erklärte der fünffache Weltmeister im Ultra-Triathlon. Umso mehr freue er sich nun auf das Training im Wasser.

Ultra-Radrennfahrer Christoph Strasser hat im Velodrome in Grenchen innert 24 Stunden eine Strecke von sage und schreibe 941,873 Kilometern zurückgelegt. Der Österreicher verbesserte damit den Weltrekord von Marko Bahlo (903,765 km) deutlich. Strasser, der mit einem Durchschnittstempo von 39,24 km / h unterwegs war, machte nur ein einziges Mal Pause – für einen Gang zur Toilette nach 22 Stunden.

Am Schluss hatte Strasser auf der Bahn 3767 Runden mit 7532 Linkskurven abgespult. Allein die Zahlen sind schwindelerregend. «Das war das Anstrengendste, was ich je gemacht habe», erklärte der sechsfache Sieger des Race Across America. Die Mono­tonie sei schlimm gewesen. «Ich bin fast durchgedreht.»

Ausserdem habe er durch die gekrümmte Sitzposition und die Fliehkraft schon frühzeitig «einen unglaublichen Druck auf den Magen-Darm-Trakt» verspürt. «Das hat die Nahrungsaufnahme erschwert.» Doch Strasser biss sich durch. Erst auf der Ehrenrunde liess er nach. Als er vom Velo steigen wollte, kam er nicht aus den Klickpedalen – und stürzte wie ein Anfänger.

Denise Mueller-Korenek ist der schnellste Mensch auf dem Velo

Mit 296 km /h durch die Salzwüste

So schnell ist noch kein Mensch Velo gefahren. Die US-Amerikanerin Denise Mueller-Korenek (Bilder) bretterte mit einem Höchsttempo von 296 km/h durch die Salzwüste im US-Bundesstaat Utah. Die 45-Jährige verbesserte damit den Weltrekord des Niederländers Fred Rompelberg aus dem Jahr 1995 um gleich 27 km /h.

296 km /h auf einem Velo? Wie ist das möglich? Mueller-Korenek benutzte für ihre Bestmarke ein Spezialvelo mit einer extrem hohen Übersetzung, liess sich von einem Dragster auf Tempo ziehen, löste das Schleppseil und strampelte schliesslich im Windschatten des umgebauten Wagens zu diesem Speed-Rekord. Als Vergleich: 296 km/h ent­sprechen etwa der Geschwindigkeit, die eine Boeing 747 erreicht, kurz bevor sie abhebt.

«Es war hart, aber es hat sich gelohnt», freute sich die Mutter von drei erwachsenen Söhnen über «den Ritt meines Lebens». Die frühere Radrennfahrerin und Ironman-Triathletin hatte sechs Jahre lang auf diesen Rekord hingearbeitet.

Didi Senft baute das grösste Fahrrad

3,70 m hohes Teufelswerk

Bekannt ist er vor allem als Tourteufel, als jener Radsportfan, der im Teufelskostüm am Strassenrand, wild mit dem Dreizack fuchtelnd, die Profis anfeuert. Seit mehr als 25 Jahren schon gehört Didi Senft zum Inventar der Radsportszene. Aber der vermeintlich verrückte Deutsche ist auch Schlosser, Künstler, Erfinder und Designer. Er hat 17 kuriose Fahrräder entwickelt, mit denen er im Guinness Buch der Rekorde steht, unter anderem mit dem grössten Velo der Welt (Bild), 7,80 Meter lang, 3,70 Meter hoch. Für den Strassenverkehr ist das Teufelswerk allerdings nicht geeignet. Und nur der Meister persönlich darf es fahren. «Ich könnte es nicht verantworten, wenn mir da oben einer runterfällt», erklärt der 69-jährige Senft.

Ire pulverisiert Everesting-Rekord

8848 Höhenmeterin 6:40:54 Stunden

Das Everesting hat in Corona-Zeiten einen Boom erlebt. Fast monatlich versuch(t)en Radrennfahrer, die legendären 8848 Höhenmeter möglichst schnell zurückzulegen. Den Rekord hält mittlerweile wieder Ronan McLaughlin (34, Bild). Der irische Ex-Profi setzte am «Mamore Gap» in der Grafschaft Donegal in Nordwest-Irland eine Marke, die so schnell nicht wieder verbessert werden dürfte. McLaughlin bewältigte die 8848 Höhenmeter in unglaublichen 6:40:54 Stunden. Als Vergleich: Der siebenfache Grand-Tour-Sieger Alberto Contador benötigte bei seinem Weltrekord im letzten Sommer noch 7:27:20 Stunden.

«Ich kann mich nicht mit Contador vergleichen», erklärte McLaughlin, «aber ich habe mich gezielt auf die Challenge vorbereitet». Für seinen Rekord wählte er einen 810 m langen, schnurgeraden Anstieg: 117 Höhenmeter mit durchschnittlich 14,2 % Steigung. Diesen Anstieg bewältigte er 78 Mal. Gemäss seiner Strava-Aufzeichnung leistete er während seiner Rekordfahrt durchschnittlich 296 Watt.

Auch sein Velo, ein Specialized S-Works Tarmac SL6, hatte er für den Rekord optimiert: nur sieben Gänge, kein Flaschenhalter, leichtere Räder, leichterer Sattel, leichterer Rahmen, leichtere Bremsen, leichtere Pedale.

Das steilste Bergzeitfahren der Welt

37% Steigung

Die Strecke ist nur 330 m lang. Normalerweise werden Rennvelofahrer auf dieser Distanz nicht mal lauwarm. Beim «Harlech Climb», einem Zeitfahren im Städtchen Harlech in den Hügeln von Nordwales, stossen «Gümmeler» allerdings schnell an ihre Grenzen. Denn die Strasse weist da ein durchschnittliches Gefälle von 21 Prozent auf, im steilsten Abschnitt gar eine Steigung von 37,45 Prozent (Bild). «Mörderisch», befand ein Teilnehmer im Ziel, als er wieder sprechen konnte, «ich hatte noch nie so saure Beine». Der «Harlech Climb» wurde 2019 erstmals inszeniert, nachdem die Strecke offiziell als steilste Strasse der Welt deklariert worden war. Als Vergleich: Der bei «Gümmelern» gefürchtete Aufstieg von Muotathal auf den Pragel­pass weist eine maximale Steigung von 18 Prozent auf, ist also nur halb so steil wie der «Harlech Climb».

Deutscher verbaute einen Güllewagen

Das schwerste Velo

Ach, Sie denken, ein 20 Kilo schweres Velo sei bedenklich? Dann haben Sie noch nichts von Frank Dose gehört. Der Norddeutsche hat das schwerste Fahrrad der Welt konstruiert. 1080 Kilo bringt es auf die Waage. Frank Dose schaffte es damit ins Guinness-Buch der Rekorde. Ein halbes Jahr lang hat der 50-jährige Lastwagenchauffeur an seinem Monster-Bike geschraubt und geschweisst. Die Reifen mit einem Durchmesser von 1,53 Metern gehörten früher einem Güllewagen. Der Rest des fahrenden Dinosauriers besteht überwiegend aus Stahl. Auf «mindestens 10 000 Euro» schätzt Dose den Wert seines imposanten Stahlesels. Auf ein Schloss verzichtet er gleichwohl. «Dieses Fahrrad klaut man nicht so leicht.»

Schweizer hält Wheelie-Weltrekord

30,95 Kilometer auf dem Hinterrad

Das macht ihm so schnell keiner nach: Manuel Scheidegger (40, Bild) hat letzten Sommer mit seinem Velo auf der Leichtathletik-Bahn in Gümligen BE in einer Stunde eine Strecke von 30,95 Kilometer zurückgelegt, ohne dass das Vorderrad jemals den Boden berührt hätte. Der Berufsschullehrer aus Steffisburg verbesserte damit seinen eigenen Wheelie-Stundenweltrekord um mehr als fünf Kilometer. Bereits im Juni hatte Scheidegger für Aufsehen gesorgt, als er – nur auf dem Hinterrad fahrend – 8848 Höhenmeter bewältigte.

Robert Marchand, Frankreichs Held auf der Bahn

105-jährig auf dem Höhepunkt

Als er die letzte der 90 Runden absolviert hat, klettert Robert Marchand (Bild) erleichtert vom Velo, ein Pulk Reporter stürmt auf den 1,50 Meter kleinen Mann zu. «Geschafft», ächzt Marchand in die Mikrofone, «jetzt tun mir ganz schön die Arme weh».

Soeben hat er im Vélodrome National nahe Paris unter dem Jubel von einigen hundert Schaulustigen einen Weltrekord aufgestellt. Marchand ist in einer Stunde 22,547 Kilometer gefahren – im Alter von 105 Jahren. «Eine grossartige Leistung», fand selbst David Lappartient, Präsident des Radweltverbandes UCI. «Dieser Mann zeigt uns, zu welchen ausserordentlichen Dingen der Mensch fähig ist».

Für den unverwüstlichen Senioren hat die UCI eigens neue Altersklassen ins Leben gerufen. So hält Marchand nicht nur den Stundenrekord in der Alters­klasse Ü100, sondern seit 2017 eben auch in der Klasse Ü105. Und dabei hat der Franzose, der erst als Feuerwehrmann und später als Holzfäller, Gärtner und Weinhändler arbeitete, erst mit 78 Jahren ernsthaft mit Velofahren begonnen.

Mit 106 Jahren trat er vom Wettkampfsport zurück. Er litt unter Rheuma an den Händen, trainierte aber weiter auf dem Hometrainer. Bis fast zu seinem Tod am 22. Mai 2021. Am 26. November wäre Robert Marchand 110 Jahre alt geworden.

Amanda Coker fand auf dem Velo zurück ins Leben

US-Girl radelte 139 326 km in einem Jahr

Erst setzte Ruedi Zweifel aus Baar ZG eine Marke, die unschlagbar erschien. Der rüstige Rentner spulte im Jahr 2011 auf dem Velo 91 250 km ab. Dann kam der Amerikaner Kurt Searvogel. Er legte dank verbesserter Bedingungen innert eines Jahres satte 121 000 km zurück – ein Jahrzehnte-Rekord, dachte man. Doch kaum zwei Jahre später war auch dieser Rekord wieder pulverisiert – von einer Frau! Die Amerikanerin Amanda Coker (Bild) pedalte innert eines Jahres unvorstellbare 139 326 Kilometer ab. Das entspricht einer durchschnittlichen Strecke von sagenhaften 381,7 km pro Tag.

Den Rekord schaffte Coker auf einer elf Kilometer langen und flachen Schlaufe im Flatwoods Park bei Tampa (Florida). Da drehte sie jeden Tag stereotyp ihre Runden. 11:40 Stunden sass sie durchschnittlich im Sattel. Durchschnittstempo: 32,7 km/h. Damit keine Zweifel aufkommen, wies die damals 25-Jährige jeden einzelnen Kilometer auf einer Online-Plattform aus. Ein volles Jahr lang auf der ewig gleichen Runde Velofahren – fürchterlich monoton. Für Coker hatte der Rekord aber auch eine therapeutische Wirkung. 2011 war sie beim Velofahren von einem Auto gerammt worden. Sie zog sich dabei Bein- und Wirbelbrüche zu – und erlitt eine Hirnverletzung. Erst vor zwei Jahren getraute sie sich wieder, Velo zu fahren. Als sie sich dann für den Rekordversuch entschied, war ihr klar: Niemals würde sie so viele Kilometer auf Autostrassen absolvieren wollen. Auf der Parkrunde blieb sie von Unfällen verschont, nur beim Wetter gab es kein Ausweichen. Einmal wurde sie von einem Hurrikan fast vom Velo geblasen, an jenem Tag absolvierte sie «nur» 88,5 km.

Coker, die nach ihrem schweren Unfall an Panikattacken gelitten hatte, brachte der Rekordversuch eine feste Tagesstruktur – und das Vertrauen in den eigenen Körper zurück. Ihre Eltern, die sie das Jahr über begleiteten, beschrieben, wie sie sich veränderte: Das Dauerstrampeln habe sie als Person wieder zugänglicher und mitteilsamer gemacht.

Auch das noch

Längste Rückwärtsfahrt

Der Australier Andrew Hellinga legte in 24 Stunden 337,6 Kilometer zurück – rückwärts auf dem Lenker sitzend! Während der gesamten Zeit stoppte er nur einmal. Seinen Angaben zufolge lag die grösste Herausforderung nicht darin, die Balance zu halten, sondern die Schmerzen im Hintern zu ignorieren.

Höhenweltrekord

Der deutsche Extrem-Biker Guido Kunze fuhr 2014 von der Pazifikküste auf den Vulkan Ojos del Salado – von 0 auf 6233 Meter. Wind, Kälte und sauerstoffarme Luft machten Kunze zu schaffen. Nach 37 Stunden und 11 Minuten war er ganz oben angekommen. Auf seinem Bike-Computer standen 343 Kilometer und 6899 Höhenmeter.

Unterwasserfahrt

Kann man Unterwasser Velo fahren? Man kann, wie Jens Stötzner bewies. Der Deutsche radelte in einem Schwimmbecken 6,7 Kilometer weit und schaffte es mit der weitesten Unterwasserfahrt ins Guinness Buch. Für den Rekord präparierte er ein Alltagsvelo mit Gewichten. Allerdings hatte er im Wasser Probleme mit der Gangschaltung und musste deshalb fast die ganze Strecke im Wiegetritt zurücklegen –4:48 Stunden lang.

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