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Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihre Empfehlungen zu den Fetten aktualisiert: Maximal 30 Prozent der Kalorien dürfen es sein. Die mediterrane Diät liefert aber mit 40 bis 45 Prozent deutlich mehr – und der grosse Teil davon stammt aus Olivenöl. Müssen wir die mediterrane Diät und Olivenöl jetzt als gesundheitsschädlich einstufen?

Seit Jahrzehnten empfehlen Institutionen zur öffentlichen Gesundheit wie auch Fachgesellschaften zur Ernährung eine Reduktion der Fette, inklusive der Öle, auf höchstens 30 Prozent der insgesamt eingenommenen Kalorien. Nun bestätigt die WHO in ihrer letzten Aktualisierung zu den Fetten von Juli 2023 diese magische Zahl von 30 Prozent am gesamten Kalorienbedarf: Wer diese Obergrenze überschreite, laufe Gefahr, übergewichtig zu werden.

Befürworter der 30-Prozent-Fett-Schwelle sprechen sich automatisch gegen die mediterrane Diät aus. Denn diese liefert mit einem Fettanteil von 40 bis 45 Prozent der Kalorien wesentlich mehr Fette als empfohlen. Gleichzeitig reduziert die mediterrane Diät nachweislich die Gefahr praktisch aller nicht-übertragbaren Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem ist sie auch in Sachen Gewichtskontrolle eine bessere Wahl als Diäten mit einem geringeren Anteil an Fetten. Somit bleibt alles beim Alten. Die WHO widerspricht in Sachen Ernährung zum erneuten Mal der fachlichen Evidenz – und wir dürfen die mediterrane Diät weiterhin und ohne Zweifel als eine der cleversten Ernährungsweisen einstufen.

Mediterran auch für Sportler?

Doch gilt das auch für aktive Sportlerinnen und Sportler? Die Antwort ist ja. Die mediterrane Diät ist prinzipiell auch für sie eine sinnvolle Basis. Als pflanzenbetonte, aber dennoch gemischte Ernährungsweise liefert sie tausende Stoffe, die für die Erhaltung der Gesundheit und das Optimieren des Wohlbefindens erforderlich sind. Aufgrund des aktuellen Zeitgeists sollte aber auch bei der mediterranen Diät ein besonderer Fokus auf eine ausreichende Zufuhr an Proteinen liegen. Denn die vielen Aufforderungen zur Reduktion des Fleischkonsums – die fachlich kaum zu begründen sind – können auch im Rahmen einer mediterranen Diät zu einer ungewollten Reduktion der Proteinzufuhr führen. Die unmittelbaren Konsequenzen im Sport liegen auf der Hand: Die Regeneration und daran gekoppelt die optimale Funktion der Muskeln werden durch eine mangelnde Proteinzufuhr kompromittiert.

Ist das Olivenöl verantwortlich?

Bei der mediterranen Diät denken viele sofort an das Olivenöl als Grund für ihre positive Wirkung. Ob sich eine Ernährungsweise positiv oder negativ auswirkt, hängt aber immer von der Wechselwirkung aller verzehrten Lebensmittel in Abhängigkeit der Empfängerin oder des Empfängers ab. Eine klassische Untersuchung zur mediterranen Diät zeigte dies schon vor Jahren. Der Versuch, «DAS» einzelne Lebensmittel zu identifizieren, das für die positive Wirkung verantwortlich ist, scheiterte kläglich. Weder ein hoher Konsum an Olivenöl noch an anderen Lebensmitteln konnte für sich allein betrachtet die positive Wirkung der mediterranen Diät erklären. Nahm man hingegen alle Lebensmittel zusammen, betrachtete also die mediterrane Diät als Ganzes, war das Ergebnis klar: Je stärker mediterran die Ernährung, umso positiver die Auswirkung auf die Gesundheit.

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Olivenöl als Teil des Ganzen

Das Olivenöl ist somit nicht die alleinige, aber eine von vielen Ursachen für die positive Wirkung der mediterranen Diät. Ist das Olivenöl daher «besser» oder «gesünder» als andere Öle? Diese Frage ist verständlich, aber die so oft gewünschte Rangierung von Lebensmitteln nach ihrer gesundheitlichen Wirkung ist unmöglich und widerspricht den Grundprinzipien zur Beurteilung der Ernährung. Denn, wie bereits erwähnt, ergibt sich die gesundheitliche Wirkung immer aus der Wechselwirkung aller konsumierten Lebensmittel und immer in Abhängigkeit des Zustands der Person, welche die Lebensmittel verzehrt. Bei der isolierten Betrachtung eines einzelnen Lebensmittels kann man daher niemals von «gesund/gesünder» oder «ungesund/ungesünder» sprechen.

Generell gilt aber auch bei den Ölen das Grundprinzip der möglichst geringen industriellen Verarbeitung. Je weniger verarbeitet und natürlicher das Öl oder Fett, umso sinnvoller ist es. Bratbutter ist dementsprechend für die warme Küche und Olivenöl für die kalte Küche keine schlechte Wahl. Und wer in erster Linie echte Lebensmittel auf dem Speiseplan hat, darf ohne schlechtes Gewissen so viel Öl oder Fett verwenden, wie es die entsprechende Zubereitung der Speisen erfordert.

Kein Wundermittel, aber clever

Wieder einmal verpasst eine grosse Institution im Bereich der Gesundheit, diesmal die WHO, eine Empfehlung zur Ernährung gemäss der wissenschaftlichen Evidenz zu aktualisieren. Aber dies ist leider nichts Neues. Wir «dürfen» uns daher weiterhin selbständig um die Evidenz kümmern. Die mediterrane Diät bleibt weiterhin eine der cleversten Ernährungsweisen, und dies gilt auch als Basisernährung für den Sport. Das Olivenöl ist für sich allein betrachtet zwar kein Wundermittel, aber als Teil der mediterranen Diät sicherlich eine clevere Wahl.

Ernährungs-Experte Dr. Paolo Colombani ist wissenschaftlicher Berater mit eigener Firma. Zusammen mit Dipl. Ing. ETH Christof Mannhart betreibt er «Notabene Nutrition, das Web-Magazin mit fundierten Artikeln zu Lebensmitteln, Supplementen & Healthy Living. www.colombani.ch; www.notabenenutrition.media

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